Arbeitskreis Zahngesundheit Westfalen-Lippe

in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe

Hammerhütter Grundschule

  
Hammerhütter Grundschule - ein neuer Weg in der Gruppenprophylaxe:
Modellversuch zum regelmäßigen Zähneputzen
   

Was in vielen Kindergärten schon lange Alltag ist, das regelmäßige Zähneputzen nach dem Frühstück, wurde im Februar 2002 als Modellversuch an der Hammerhütter Grundschule in Siegen gestartet.

Der Grundgedanke dieses Projektes war, Zähneputzen durch Gewohnheit und Selbstverständlichkeit alltäglich werden zu lassen. Durch regelmäßig wiederholendes Zähneputzen sollten die Kinder langfristig zur selbständigen Initiative angeregt werden. Darüber hinaus sollte untersucht werden, ob es grundsätzlich durchführbar ist, regelmäßiges Zähneputzen nach dem gemeinsamen Frühstück, also im Anschluss an die große Pause, sinnvoll in den Schulalltag zu integrieren.


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Die intensive Vorbereitungszeit begann bereits Anfang 2001. Die Hammerhütter Grundschule erklärte sich bereit, an diesem Modellversuch teilzunehmen und mit den künftigen Erstklässlern regelmäßig nach jedem Schulfrühstück die Zähne zu putzen. Bedingung war, dass das Projekt während der gesamten Grundschulzeit, also über vier Jahre fortgeführt werden sollte. Die Vorbereitungszeit war geprägt durch zahlreiche Gespräche zwischen dem Schulamt, der Schulleitung, dem Kollegium, dem Arbeitskreis Zahngesundheit und den Eltern, um einen guten Informationsstand aller Beteiligten und damit eine möglichst gute Compliance zu ermöglichen. Darüber hinaus wurde ein eigens hierfür zur Verfügung stehender Raum in der Schule renoviert und mit acht Einzelwaschplätzen und zwei Zahnputzschränken für die Aufbewahrung der Zahnbürsten und Zahnpasta eingerichtet. So entstand ein funktioneller und dekorativer Zahnputzsalon.

 
Für die Durchführung dieses Projektes schlossen die Schule und der Arbeitskreis Zahngesundheit eine Vereinbarung. Die Schule verpflichtete sich, mit den Kindern der beiden teil­nehmenden Klassen über die gesamte Grundschulzeit nach jeder Frühstückspause die Zähne zu putzen. Der Arbeitskreis verpflichtete sich im Gegenzug, das notwendige Material zur Verfügung zu stellen und eine intensive fachliche Betreuung zu gewährleisten. Zusätzlich wurde in regelmäßigen Abständen durch den Jugendzahnärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes der Gesundheitszustand der Zähne untersucht sowie mit Hilfe eines Fragebogens das Zahnputzverhalten der Kinder erfasst.

  
Zu Beginn wurden die beiden Klassenlehrerinnen beim gemeinsamen Zähne putzen täglich durch die Prophylaxefachkraft des Arbeitskreises unterstützt. Sie trainierte die richtige Zahnputztechnik mit den Kindern, motivierte zum täglichen Zähneputzen, tauschte Zahnbürsten aus und stand als Ansprechpartnerin für Fragen zur Verfügung. Im weiteren Verlauf der vier Grundschuljahre vergrößerten sich die Abstände der Besuche, so dass am Ende der 4. Klasse nur noch monatliche Prophylaxeimpulse auf dem Programm standen.

  
Um die Motivation bei Schülern, Eltern und Lehrern aufrecht zu erhalten, wurden verschiedene flankierende Aktionen durchgeführt. Hierzu zählen z.B. ein Zahnaktionstag mit Kindern und Eltern, die Aktion Mundhygiene mit dem Betreuungszahnarzt, Besuche der Ernährungsberaterin des Arbeitskreises Zahngesundheit, Elterninformationen durch die Jugendzahnärztin und die Ernährungsberaterin, halbjährliche zahnärztliche Reihenuntersuchungen oder die Einführung eines im Zahnputzsalon fest installierten Kariestunnels. Im Kariestunnel werden die Zahnbeläge mit Hilfe einer fluoreszierenden Flüssigkeit unter Schwarzlicht sichtbar und das Ergebnis des anschließenden Zähneputzens kann von den Kindern selbst beobachtet werden.

  
Im Juni 2005 beendeten die zwei Pilotklassen das Projekt nach insgesamt dreieinhalb Jahren. Die Durchführung des Projekts über diesen langen Zeitraum war nicht nur für die Kinder, auch insbesondere für die Lehrerinnen eine Herausforderung. Es zeigte sich, dass es nur mit großem zeitlichen und persönlichen Engagement möglich war, das Zähneputzen sinnvoll in den Schulalltag zu integrieren. Als problematisch erwies sich die Motivation der Eltern, das in der Schule erlernte und durchgeführte Zahnputzverhalten mit ihren Kindern auch in der häuslichen Situation weiter zu fördern und zu unterstützen.

  
Trotz mancher Schwierigkeiten dürfen die positiven Ansätze des Gesamtprojekts, die sich auch in den Untersuchungsergebnissen widerspiegeln, nicht unberücksichtigt bleiben. Aus diesem Grund wurde mit Beginn des Schuljahres 2005/2006 ein zweiter Durchlauf des Zahnputzprojektes wieder mit zwei Eingangsklassen gestartet. Diesmal wurden von Beginn an einige Veränderungen im Projektablauf sowie in der Kommunikation und den Motivationsbesuchen durchgeführt. Im Unterschied zum ersten Durchlauf wurde jetzt einmal wöchentlich mit Fluoridgel geputzt. Auch diesmal fanden zahlreiche Motivationsbesuche und Aktionen z.B. ein Unterrichtsbesuch zur zahngesunden Ernährung oder ein Elternabend zur Information und Motivation der Eltern statt. Erfreulicherweise zeigte sich nach vier Jahren in der Abschlussuntersuchung, dass die Schülerinnen und Schüler der Hammerhütter Schule signifikant weniger erkrankte bleibende Zähne aufwiesen als die Kinder ihrer Kontrollgruppe an einer anderen Siegener Grundschule. Dieses Ergebnis stärkt uns in den Bemühungen um eine Verbesserung der Zahngesundheit der Kinder im Kreis Siegen-Wittgenstein.