Arbeitskreis Zahngesundheit Westfalen-Lippe

in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe

Türkisch-Deutsches Gesundheitsprojekt

  
Im Jahr 2008 ist die Türkisch-Deutsche Gesundheitsstiftung e.V. an das Schulamt herangetreten, um in Zusammenarbeit mit dem Schulamt, dem Gesundheitsamt und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens ein türkisch-deutsches Gesundheitsprojekt zur Integrationsförderung an Schulen zu initiieren.

 

Ziel des Projektes ist, ausländischen Eltern Zugang zu verschiedenen Gesundheitsthemen zu bieten und Hemmschwellen, das vorhandene Gesundheitssystem in Anspruch zu nehmen, abzubauen. Dieses soll insbesondere durch bilinguale Fachleute gewährleistet werden. Das Integrationsprojekt sieht vor im Zeitraum 2009 bis 2013 jährlich Aktionen durchzuführen. Die inhaltliche Gestaltung soll Einfluss auf den Sachunterricht und den Schulalltag haben. Die Umsetzung des Integrationsprojekts wurde in Form zweier Aktionstage zur Gesundheit an der Hüttentalschule und an der Geisweider Grundschule, beides Grundschulen mit einem hohen Anteil an ausländischen, insbesondere türkischen Kindern, im Jahr 2009 begonnen.

 
Der erste Gesundheitstag beinhaltete Angebote für Kinder und Eltern. Es gab einen sportmotorischen Test, einen Ernährungsfragebogen, jeweils eine soziale, schulische und gesundheitliche Beratungsmöglichkeit. Weiterhin wurden medizinische Daten wie der Impf- und Zahnstatus, der Body-Mass-Index (BMI) sowie Daten zum Hör- und Sehvermögen ermittelt. Die Jugendzahnärztinnen erläuterten zusammen mit türkischsprachigen Kolleginnen den Eltern den Gesundheitszustand der Zähne ihrer Kinder. Der Arbeitskreis Zahngesundheit bot zusammen mit dem Jugendzahnärztlichen Dienst den Zahnputzbrunnen, den Kariestunnel, sowie ein Glücksrad mit Fragen rund um die gesunde Ernährung und Zahngesundheit, an. Anhand des Wandsystems der Ernährungspyramide ordneten die Kinder Lebensmittelfotokarten den entsprechenden Lebensmittelgruppen zu. Gleichzeitig bestand die Möglichkeit sich eine Ausstellung über den Zuckergehalt von türkischen und deutschen Süßigkeiten anzusehen. Damit die Besucher des Aktionstages möglichst alle Angebote wahrnahmen, gab es eine Art Laufzettel, auf dem die einzelnen Stationen nach deren Besuch abgestempelt werden konnten. Sowohl die Hüttentalschule wie auch die Geisweider Grundschule boten zusammen mit türkischen Vereinen und Eltern ein umfangreiches kulinarisches Café an. Hier konnten sich Kinder und Eltern an türkischen Spezialitäten stärken, sich austauschen und ausruhen.

 
Der zweite Gesundheitstag fand zum Abschluss des Schuljahres statt. Der Schwerpunkt des zweiten Projektdurchlaufs lag bei den Themen sportliche Aktivität und Bewegungsmöglichkeiten, Zahngesundheit und gesunde Ernährung. Zudem wurden alle medizinischen Daten als Kontrollmechanismen ein zweites Mal erhoben. Der Arbeitskreis Zahngesundheit bot für die Kinder eine Mitmach-Ausstellung unter dem Motto Coole Zahnkids“ an. Über einen Zeitraum von einer Stunde erfuhren die Kinder im Klassenverband Interessantes zur Thematik Zahngesundheit.  Die Schülerinnen und Schüler den Säuregehalt von Getränken und die Auswirkungen auf die Zähne kennen. Weiter konnten die Kinder einen Zahn selbst kneten und an großen Gebissen die richtige Zahnputztechnik einüben. Alle Stationen wurden durch die Prophylaxefachkräfte des Arbeitskreises Zahngesundheit und des Jugendzahnärztlichen Dienstes betreut. Unter dem Motto „Leckere Snacks selbstgemacht“ konnten die Kinder nach einer kurzen theoretischen Einführung durch die Ernährungsberaterinnen des Arbeitskreises selbst Frühstücksspieße herstellen. Hierfür wurden Äpfel, Möhren, Gurken, Kohlrabis, Cocktailtomaten, Weintrauben und Paprikas zunächst von den Kindern entsprechend zubereitet und dann fleißig auf große Spieße gespickt. Wer wollte durfte außer für den eigenen Verzehr auch für Eltern, Geschwister oder Freundinnen und Freunde einen Spieß zubereiten. Als Ergänzung zu den Angeboten für die Kinder konnten die Eltern eine zahnärztliche Beratungsmöglichkeit der Zahnärztinnen des Jugendzahnärztlichen Dienstes in Anspruch nehmen.

 

Alle ermittelten Daten wurden zusammen am Ende des Schuljahres 2009/2010 miteinander verglichen. Die Auswertung der medizinischen Daten erfolgte anonym über das Schulamt. Diese Ergebnisse fließen anschließend in das Landesprogramm „Bildung und Gesundheit“ ein. Die Auswertungen über den Zahnstatus ergaben für die Hüttentalschule, dass die Anzahl der sanierten Gebisse zwischen den beiden Untersuchen um 4,9% stieg und parallel dazu die Anzahl der behandlungsbedürftigen Gebisse um 4,6% sank. Gleichzeitig sank der Anteil der naturgesunden Gebisse um 0,3%. An der Geisweider Grundschule stieg die Anzahl der sanierten Gebisse zwischen den beiden Untersuchungen um 4,5%, die Anzahl der behandlungsbedürftigen Gebisse sank dabei um 8%. Der Anteil der naturgesunden Gebisse stieg mit 3,4% deutlich. Ursachen hierfür sind beispielsweise der Milchzahnausfall sowie der Schülerwechsel. Im Vergleich zu allen Grundschulen im Kreis Siegen-Wittgenstein liegt die Anzahl der Schüler mit naturgesunden Gebissen in der Hüttentalschule um 10,8% und in der Geisweider Grundschule um 5,8% niedriger. Die abschließende Auswertung der weiteren Untersuchungen ist zurzeit noch nicht abgeschlossen.

 

Das Gesamtprojekt wurde am 4. November 2010 bei der Bezirksregierung in Arnsberg, beim 1. Arnsberger Sportdialog, vorgestellt. Als Konsens wurde hierbei deutlich herausgearbeitet, dass entscheidend für das Gelingen solcher Aktionstage und einer nachhaltigen Wirkung der angestoßenen Gesundheitsfragen, ein umfassendes und gut funktionierendes Netzwerk aller Beteiligten ist. Im Kreis Siegen-Wittgenstein wurde dieses Netzwerk durch das Schulamt, die türkisch-deutsche Gesundheitsstiftung sowie die beiden Grundschulen gesteuert. Wünschenswert ist, dass auch weiterhin Projekte durch das Land finanziell gefördert werden. So kann es den Schulen ermöglicht werden, Maßnahmen wie z.B. die Installation von Getränkespendern oder das regelmäßige Angebot eines gesunden Frühstücks in der Schule zu etablieren.

 

Im Schuljahr 2010/2011 hat der Arbeitskreis Zahngesundheit im Rahmen der Offenen Ganztagsschule an an der Hüttentalschule ein Angebot zur Zahnprophylaxe für Kinder und Eltern durchgeführt. Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist das regelmäßige Zähneputzen nach dem Mittagsessen. Sowohl in der Hüttental- wie auch in der Geisweider Grundschule werden mittlerweile regelmäßig nach dem Mittagessen die Zähne geputzt. Zur fachlichen Unterstützung kommt eine Prophylaxehelferin des Arbeitskreises bzw. eine Zahnärztin des Jugendzahnärztlichen Dienstes hinzu. Begleitend zum täglichen Zähneputzen wurde an beiden Schulen jeweils ein kleines Projekt durchgeführt bei dem sich die Kinder intensiv mit dem Zahnaufbau beschäftigten, Collagen zum Thema Zahngesundheit erstellten sowie einem gesunden Imbiss zubereiteten und gemeinsam verzehrten. Abschließend wurde ein kombinierter Eltern-Kind-Nachmittag durchgeführt. Hier präsentierten die Kinder ihren Eltern und älteren Geschwistern die Ergebnisse ihre Gruppenarbeiten. Danach bereiteten die Mädchen und Jungen ein buntes Brotspieß- und Fingerfood-Buffet, das nach einem kurzen zahnärztlichen und ernährungsphysiologischen Elternvortrag, gemeinsam verspeist wurde. Abschließend bestand für Kinder und Eltern die Möglichkeit sich unter fachlicher Anleitung die Zähne zu putzen. Das gleiche Angebot fand im November 2011 an der Geisweider Schule statt.